Lesen Sie den Text noch einmal. Beantworten Sie dann die Fragen auf der rechten Seite. Welche Aussage stimmt, welche stimmt nicht und zu welcher finden Sie keine Infos im Text?
Die Bundestagswahl am 26.09.2021 hat gezeigt, was junge Deutsche von den alten „Volksparteien“ CDU/CSU und SPD halten: Bei den Wähler:innen bekamen die Grünen 23 Prozent ebenso wie die FDP. Wie hätten die Werte wohl erst ausgesehen, wenn man in Deutschland schon ab 16 Jahren wählen dürfte? Wählen ab 16 wird ja seit einiger Zeit diskutiert und SPD, Grüne und FDP haben kürzlich schon vor ihren Koalitionsverhandlungen in ihrem Wahlprogramm festgehalten, das Wahlalter senken zu wollen
Die Wahl-Ergebnisse lassen erkennen, worüber sich die jungen Generationen Sorgen machen, was sie sich wünschen. Die Zeit ihrer Kindheit und Jugend war und ist begleitet von Krisen wie den Terroranschlägen vom 11. September, der Klimakrise, der Corona-Pandemie…Das sind nur ein paar Beispiele dafür, welche Ereignisse die jungen Generation mitgeprägt haben. Zu ihren Topthemen zählen Umwelt- und Klimaschutz oder beispielsweise der Wunsch nach Sicherheit, nach gegenseitigem Respekt, nach Gerechtigkeit. Verglichen mit früheren Generationen dächten junge Menschen jetzt mehr darüber ach, was sie zur Gesellschaft beitrügen und wie sich ihr Handeln auf die Gesellschaft auswirke, so die Wissenschaft. Wobei sich solche Aussagen selbstverständlich nie für eine Generation als Ganzes verallgemeinern lassen, da auch immer andere Faktoren, etwa die soziale Schicht Einfluss haben, allem voran kommt es aber natürlich darauf an, wo auf der Welt man lebt
Manche staunen darüber, wie erfolgreich die FDP bei den jungen Wähler:innen ist. Überraschend sei das aber nicht: Zahlreiche Junge hätten eine visionäre Führung als Vorbild, wie sie zum Beispiel Elon Musk vorlebe, sagt die Jugendforschung. Sie seien zukunfts- und leistungsorientiert, wollten Geld verdienen und gingen dafür neue Wege, etwa mit Investitionen in Onlinewährungen und EFTs. Viele hätten durch Finanz-Influencer:innen begonnen, sich für Wirtschaft und Geld zu interessieren- und damit auch irgendwann für die FDP. Zudem habe die FDP bei der Jugend damit gepunktet, dass sie sich in der Corona-Krise für Öffnungen eingesetzt habe.
Die Politik wird sich um das Vertrauen der Jungen bemühen müssen. Im Jahr 2020 waren 13,75 Millionen der deutschen Bevölkerung unter 18, da sind schon noch ein paar Neuwähler:innen zu holen. Und wer weiß: vielleicht wird das zeitnah noch relevanter, wenn das Wahlalter auf 16 sinkt. Es versteht sich von selbst: Parteien neigen dazu, die Interessen von Wahlberechtigten ernster zu nehmen als die der anderen. Wer wählen darf, hat im Idealfall das Gefühl, tatsächlich etwas bewirken zu können. Dieses Gefühl der Selbstwirksamkeit, wie es die Wissenschaft nennt, kann zu mehr politischem Engagement motivieren. Das zeige der Erfolg von Initiativen wie „Fridays for Future“: Sie beweisen jungen Menschen, dass sie die öffentliche Wahrnehmung effektiv beeinflussen können.
Der Staat hat die Pflicht, so zu handeln, dass auch zukünftige Generationen gut leben können. Dafür muss er im Jetzt aktiv werden. Im April 2021 hat das Bundesverfassungsgericht im Rahmen einer Klage gegen das Klimaschutzgesetz der Bundesregierung bestätigt, dass die Klimakrise zu den größten Zukunftsfragen zählt. Und es hat damit auch klargestellt, dass Generationengerechtigkeit einklagbar ist. Generationengerechte Politik ist in vielen Bereichen gefordert. Wie steht es zum Beispiel um die Sozialversicherungssysteme? Aufgrund des Wandels der Altersstruktur können sie für zukünftige Generationen nicht mehr gerecht sein, etwa beim Thea Rente. Der Prozentsatz der über Sechzigjährigen steigt weiter an. Mit dem bisherigen System kann die Zahl der Erwerbstätigen sehr bald schon nicht mehr ausreichen, um alle Nicht-Erwerbstätigen finanziell abzusichern
Schon im Jahre 2035 sollen circa 60 Prozent der Wahlberechtigten in Deutschland im Rentenalter sein. Wessen Interessen werden dann wohl die politische Agenda dominieren? Um den Generationenvertrag zu erfüllen, sind grundlegende Reformen nötig. Damit alle, von Jung bis Alt, auf Dauer ein gutes Leben haben. Eine Gesellschaft, in der Jüngere im Verhältnis zu den anderen Altersgruppen schwächer vertreten sind, muss umso solidarischer sein und Verantwortung für zukünftige Generationen übernehmen. Vor allem aus Rücksicht auf die Älteren und Schwächeren haben junge Menschen die Corona-Maßnahmen mitgetragen. Zugleich haben viele von ihnen das Gefühl, dass ihre eigenen Sorgen und Bedürfnisse von der Gesellschaft nicht ernst genug genommen werden
Es ist Zeit für einen Wandel, der hoffentlich mit sich bringt, dass sich die Jugend noch mehr in die Politik einbringen kann- und diese Möglichkeit auch nutzt. Die Herabsetzung des Wahlalters könnte nun noch mehr junge Menschen dazu bringen, sich politisch zu engagieren. Denn trotz der Entwicklungen der letzten Jahre beobachtet man hier offenbar einen bisher eher geringen Anstieg. Schulen und andere Bildungseinrichtungen könnten noch stärker informieren, wie wichtig politisches Engagement ist und welche Mittel und Wege bereits bei Kindern und Jugendlichen dafür offenstehen. Gerade auch für die Chancengleichheit wäre das so wertvoll, denn aktuell spielt der Bildungsgrad beziehungsweise die soziale Schicht eine große Rolle dafür, ob junge Menschen politisch interessiert sind
Immerhin: Der aktuelle deutsche Bundestag ist nach der Wahl so jung wie nie zuvor. An di e30 Prozent der Abgeordneten sind 40 Jahre oder jünger- im 2017 gewählten Bundestag waren es nur rund 15 Prozent. Das geht vor allem auf die gestiegene Anzahl von Mandaten für SPD, Grüne und FDP zurück. Emilia Fester und Niklas Wagener von den Grünen sind beide 23 Jahre alt und damit die jüngsten Abgeordneten aller Zeiten